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Klimafaktor Kläranlage

Kläranlagen rücken als
Klimafaktor stärker in den Fokus

Kläranlagen stoßen deutlich mehr Treibhausgase aus, als bislang in vielen Klimabilanzen erscheint. Eine aktuelle Auswertung der Klimaberichte von 38 Staaten zeigt, dass Emissionen aus der Abwasserreinigung weltweit um rund 20 bis 30 Prozent unterschätzt werden – das entspricht bis zu 150 Millionen Tonnen CO₂‑Äquivalenten pro Jahr und damit ungefähr der Größenordnung des internationalen Luftverkehrs. Hintergrund ist, dass Kläranlagen nicht nur viel Strom verbrauchen, sondern auch Methan und Lachgas freisetzen, die ein deutlich höheres Treibhauspotenzial als CO₂ besitzen.

Ein wesentlicher Teil der Lücke geht darauf zurück, dass viele Länder noch mit veralteten Berechnungsgrundlagen des IPCC von 2006 arbeiten und bestimmte Abwasserpfade – etwa unbehandeltes Abwasser, einfache Sanitärsysteme oder undichte Kanäle – gar nicht erfassen. Neuere Emissionsfaktoren aus dem Jahr 2019 sowie aktuelle Messdaten deuten jedoch auf deutlich höhere Werte hin, insbesondere bei Lachgas. Für die Wasser‑ und Abwasserwirtschaft bedeutet das: Präzisere Datenerfassung und realistische Emissionsfaktoren werden zum Schlüssel, um sinnvolle Minderungsstrategien zu entwickeln und Investitionen langfristig richtig zu priorisieren.

Gleichzeitig ergibt sich daraus eine Chance: Wer seine Kläranlage energieeffizient betreibt, Methan- und Lachgasentstehung technisch reduziert und moderne Verfahren einsetzt, kann einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten – häufig mit Maßnahmen, die sich auch wirtschaftlich auszahlen.